Eislaufen in Ottawa

Eislaufen auf dem Kanal in Ottawa ist wie ein kleines Glücksspiel. Auch wenn man vermutet, dass der Winter in Kanada immer lang und kalt ist – die letzten zwei Wintersaisons 2015/2016 und 2016/2017 waren doch wechselhafter und wärmer als erwartet. Von +10 bis -20 Grad war alles dabei und für Ski und Eislaufen nicht unbedingt die beste Vorraussetzung.

Nun dieses Jahr sah es Anfang Januar noch recht gut aus. Viel Schnee und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt deuteten daraufhin, dass der Rideau Kanal bald richtig zugefroren wäre. Wir planten, buchten unsere Unterkunft und reservierten einen Mietwagen für das erste Wochenende im Februar. Laut unserer Recherche erschienen uns die ersten zwei Wochen im Februar recht zuverlässig.

Ende Januar – knapp zwei Wochen vor dem geplanten Ausflug war es dann soweit. Der Kanal wurde für das Eislaufen frei gegeben. Juhu! Fast täglich schauten wir auf die Website und verfolgten genau die Wettervorhersage. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf das kleine Minus vor jeder Zahl gefreut habe. -5 Grad – Juhu! -10 Grad und Schnee – Juhu! Juhu! Noch mehr Schnee – Juh…!

Zu früh gefreut!

Anfang Februar wurde es auf einmal schlagartig wärmer und die Eisfläche wurde erst teilweise und dann vollständig geschlossen. Ich sah uns schon bildlich am Kanalrand stehen, vor einem großen roten Schild „Betreten verboten“.

Nach ein paar wärmeren Tagen, wechselte das Wetter wieder. Der gute Petrus hatte wohl unseren Wunsch erhört. -5 bis-15 Grad stimmten uns wieder glücklich. Obendrauf noch eine Schneewarnung – pünktlich zum Start ins Wochenende. Perfekt! Naja, nicht wirklich perfekt für eine lange Autofahrt, aber fürs Eislaufen konnte es nicht besser laufen. Die lange Autofahrt wurde leider wirklich sehr, sehr lang… denn unser Mietwagen hatte nur Ganzjahresreifen und diesen trauten wir nicht zu 100%. Apropos Ganzjahresreifen, hierzu gibt es am Ende noch eine kleine Geschichte. Nun zurück zum Schlittschuhlaufen.

Nachdem es die ganze Nacht durch geschneit hatte, erwartete uns am nächste Tag eine dicke Schneedecke und einen komplett zugefrorenen Kanal. Nach einem guten Frühstück beim Kettleman’s mit handgerollten, ofenfrischen Bageln und einer gigantischen Apfeltasche, machte wir uns auf dem Weg zum Rideau Kanal. Wir starteten auf halber Strecke vom Kanal in der Nähe von unserer Unterkunft im Stadtteil „The Glebe“.

Bagel Ottawa

Breakfast Ottawa

Breakfast Ottawa

Ice Skating Ottawa

Wir schlupften in unsere Eislaufschuhe und schlitterten in Richtung Innenstadt bzw. zum Startpunkt bei Kilometer 0. Wer vorher nur eine Eislaufbahn in einer Eishalle oder auf dem Weihnachtsmarkt gewöhnt ist wird schnell einige interessante Unterschiede feststellen.

 

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Ice Skating Ottawa

Was ist so anders beim Eislaufen auf dem Rideau Kanal.

1. Man hat super viel Platz auf der 7,8 km langen Eisfläche, abgesehen von dem Startpunkt in der Innenstadt. Hier wird es fast so eng wie auf einem Weihnachtsmarkt.

2. Die Eisoberfläche ist nicht 100% glatt. Es gibt Risse und Hubbel, auf die man immer ein Auge haben sollte.

3. Man fährt nicht mehr in eine Richtung im Kreis mit der Masse sondern immer weiter gerade aus an Einkaufshäusern, Bürogebäuden unter Brücken hindurch, weiter durch Wohngebiete, am Park vorbei und immer weiter. Stellt euch vor ihr spaziert über 7 km an einem Fluss/Kanal entlang – nur nicht neben sondern auf dem Kanal und mit Schlittschuhen.

4. Auf dem Eis trifft man auch Spaziergänger mit Hund und Kind, Läufer, und auch mal ein verrückter Fahrradfahrer. Alles kein Problem, siehe Punkt 1.

5. Es gibt Toilettenhäuser, Essenstände, Liegestühle und sogar ein Lagerfeuer auf dem Eis. Verrückt, nicht wahr?

Und was war nun mit dem Mietwagen? Nachdem wir fast den ganzen Samstag auf dem Eis verbracht hatten und gute 16 km Schlittschuhgelaufen waren, freuten wir uns schon auf ein warmes Bett, um unsere durchgefrorenen und müden Knochen auszuruhen. Noch schnell das Auto für die nächsten 24 Stunden um parken und dann ab ins Bett. Das dachten wir zumindest.

Hier kommen wir nun zu der Geschichte mit unserem Mietwagen: Wie bereits am Anfang erwähnt, hatten wir von unserem Autoverleih ein Mietwagen mit Ganzjahresreifen bekommen. Wir hatten zwar nach Winterreifen gefragt, aber das ist wohl in Kanada nicht in der Standardausstattung mit inbegriffen *tzzz* und dementsprechend nicht ausreichend verfügbar. Am Rande bemerkt, als wir das Auto abgeholt haben, tobte in Toronto schon der vorhergesagte Schneesturm. Nun gut, wir fuhren also vorsichtig und langsam nach Ottawa wo sich innerhalb der letzten Tage schon recht viel Schnee angesammelt hatte. Nachdem wir unser Auto um parken mussten, suchten wir einen neuen Parkplatz in der Nachbarschaft. Wir fuhren durch das Wohnviertel, studierten die Parkverbotszeichen und fanden einen neuen Parkplatz am Straßenrand. Dank dem Schnee erkennt man recht schnell, ob schon ein Auto dort gestanden hatte oder nicht.

Mitten beim einparken bewegte sich das Auto plötzlich nicht mehr von der Stelle und mit etwas mehr Gas drehten die Reifen direkt durch. Unser Auto hatte sich im Schnee festgefahren – genaugenommen befand es sich auf einem festgefrorenen Schneehaufen auf und die Ganzjahresreifen packten gleich 0. Da standen wir nun mit unserem Mietwagen und konnten uns keinen Zentimeter von der Stelle bewegen – Anschieben, Vollgas und andere Versuche waren erfolglos. Ein freundlicher Anwohner bot uns direkt seine Schneeschaufel an und wir versuchten den Schneehügel unter dem Auto wegzuschaufeln und mit Pappe die Reifen zu unterlegen. Das alles funktioniere irgendwie nicht. Das Eis war zu hart zum freischaufeln und der Pappkarton rutschte unter den Reifen direkt durch. Gottseidank trafen wir noch auf einen weiteren Anwohner, der einen Trick mit einer Bärenfalle kannte. Er platzierte die Bärenfallen vor die Vorderreifen mit der Krallenseite nach unten auf das Eis gerichtet. Mit einem Schubser und etwas Gas packte die Kralle in das Eis und bildete ein etwas erhöhte Unterlage auf dem sich das Auto nun bewegen konnte. Das Auto war wieder befreit und wir um zwei Erkenntnisse reicher. Erstens mit Ganzjahresreifen kannst du nicht jeden Parkplatz nehmen auch wenn dort schon ein Auto mal stand und zweitens, eine Bärenkralle ist auch ohne Bär sehr hilfreich. 😉

 

 

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2 Gedanken zu „Eislaufen in Ottawa

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