Killarney Provincial Park – Zelten im Bärenland

In der Retrospektive einer der schönsten Parks in Kanada und ein Highlight unserer Kanada-Ausflüge. Aber zunächst der Reihe nach. Der Killarney Provincial Park liegt etwa fünf Stunden nördlich von Toronto an der Georgian Bay, die zum Lake Michigan gehört. Es sollte unsere erste Erfahrung mit Backcountrycamping (=Zelten im Hinterland) werden. Nachdem der Zeltplatz gebucht war (zum Glück haben wir den letzten Platz über das verlängerte Wochenende ergattert), hieß es zunächst mal Ausrüstungscheck. Ein Zelt hatten wir schon – Check, Sommerschlafsäcke hatten wir ebenfalls – Check, fehlt nur noch das Bett… ähm die Schlafunterlage. Mit einer aufblasbaren Luftmatraze neigte das zwar schon verdächtig Richtung Luxuscamping, aber man gönnte sich ja sonst nichts. Wäre da also noch der Backcountryteil. Unser Zeltplatz war nur per Kanu zu erreichen und Dusche, Klo o.ä. zählte nicht zur Ausstattung. Hinzukam, dass wir uns in einem Bärengebiet befanden. Neben einigen lehrreichen Videos wie man sein Essen bärensicher verstaut, sind wir auch auf diesen Link gestoßen (https://www.youtube.com/watch?v=XLYbXXIbUX0), der die Intelligenz der großen Braunen absolut unter Beweis stellt. Wir waren schwer beeindruckt und gleichzeitig gespannt, was uns dort erwarten wird.

Schon auf der Fahrt zum Park entdeckten wir den ersten Bär. Ein Jungbär hatte einen Unfall mit einem Auto und war aus Schreck in die nächste Baumkrone geklettert. Der Unfallfahrer hatte bereits Kontakt mit den Wildhütern aufgenommen und wartete geduldig auf deren Hilfe. Wir konnten nichts weiter tun und setzen unsere Fahrt fort immer weiter in Richtung Norden.

Killarney Road Baer

Killareny Road

Je weiter wir in den Norden kamen, desto einsamer wurden die Straßen. Schließlich bogen wir von der „Autobahn“ ab, um die letzten 70km Sackgasse Richtung Georgian Bay zu starten. Wir folgten zunächst einem Insidertipp und überzeugten uns von der ausgezeichneten Qualität der Fish ’n‘ Chips (= fritierter Fisch mit Pommes) bei Herbert Fisheries, einer Imbissbude, die uns am Ende der Sackgasse in dem Dorf Killarney erwartete. Auch wenn uns vorher die Straßen fast leer erschienen und das Dorf auch eher einen verschlafenen Eindruck machte, bei Herbert Fisheries war der Parkplatz voll und die Warteschlange nicht kürzer als vor Torontos beliebtesten Restaurants.

Killarney FishnChips

Killarney Herberts Fisheries

Gut gestärkt fühlten wir uns bereit für unser wahres Outdoorabenteuer. Als wir Paddel und Schwimmweste in Empfang nahmen und unser Kanu beladen hatten, war es bereits früher Nachmittag. Wir wollten uns zunächst auf dem Weg zu unserem Zeltplatz machen, um anschließend eine kleine Erkundungsrunde mit dem Kanu zu starten.

Es stellte sich jedoch heraus, dass die Suche nach dem Zeltplatz Letzteres bereits enthielt: Kurz zu dem Unterschied zwischen Zelten im Backcounrty und Zelten auf einem Campingplatz. Entgegen eines übliche Campingplatzes, mit klar abgetrennten Rasenstücken, die dicht an dicht gepackt sind, waren unsere über das ganze Ufer verteilt, mit mindestens 500 m Abstand und auch nur mit ausführlicher Kartenbetrachtung zu finden. Wir wussten, dass es sieben Zeltplätze an dem See gab, die nach dem Prinzip, wer als Erstes kommt, malt zu erst, verteilt werden. Wer Pech hat, muss alle sieben Zeltplätze absuchen, und den letzten freien nehmen. Nach einer zwei stündigen Paddelei und fünf belegten Zeltplätzen fanden wir endlich einen freien Platz und bereiten dort schnell unser Lager vor, bevor sich die Sonne verabschiedete.

Killarney View Relax Canoe Camping

Killarney Canoe Lake

Killarney Water Lily Lake

Zur unserer Überraschung gab es eine begradigte Fläche für das Zelt, eine gut erkennbare Feuerstelle und sogar ein Plumsklo, die wie eine geheime Schatztruhe im Wald versteckt lag. Luxus Pur! Für die erste Nacht hatten wir Würstchen dabei, die mit einem Lagerfeuer zu einem stimmigen Abendessen wurden. Als es schließlich dämmerte, machten wir uns daran unsere Vorräte in den Bäumen zu verstauen. Da wir einiges an Proviant dabei hatten und auch der Kulturbeutel mit verstaut werden sollte (anscheinend sind Zahnpastas beliebte Bärenspielzeuge), war das Gewicht der Säcke nicht zu verachten. Bis wir alles fachgerecht und außer Reichweite platziert hatten, war es bereits dunkel. Außerdem war der ein oder andere Ast wohl weniger stabil als es zunächst den Anschein gemacht hatte. Glücklicherweise konnten wir einen Teil unserer Kletterausrüstung verwenden, um eine Mischung aus Flaschenzug und Karabinerverschluss zu konstruieren.

Killarney Campfire

Killarney Backcountry Privy

Killarney Tent View

Der Sonnenuntergang, die Natur und der See direkt am Zelt bleiben uns herrlich in Erinnerung. Am nächsten Morgen packten wir unsere sieben Sachen, die Säcke hatten die Nacht ohne Bärenraub gut überstanden. Anschließend erkundeten wir das andere Ende des Sees und paddelten zurück zum Auto. Frische Luft macht bekanntlich hungrig und so  beschlossen wir ein weiteres Mal zum Fish ’n‘ Chips-Stand zu fahren.

Wiedereinmal gut gestärkt, beschlossen wir noch einen kleinen Wanderweg zu laufen, der entlang der Georgian Bay verläuft. Im Gegensatz zu unserem ruhigen See war es hier deutlich windiger und wir beobachteten die Kayaker, wie sie gegen Wind und Wellen paddelten.

Killarney Shore Hiking Georgian Bay

Killarney Georgian Bay Island Kayaker

Killarney Stones Symbol Hiking Trail

In Summe bleibt die schöne Landschaft, die wir mit Boot und per pedes erkundeten und die tolle Erfahrung in der Natur zu übernachten, lange im Gedächtnis. Killarney Provincial Park – du bist ganz weit oben auf der List für die schönsten Momente in Kanada.
David & Cäcilia

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